Gedenken im Turm (Volkstrauertag 2005) - Auszüge aus der Ansprache des Vorsitzenden, der zuvor Vertreter der CDU-Britz begrüßt hatte -
Verehrte Damen und Herren, wir haben uns hier und heute in den Räumen des Britzer Bürgervereins versammelt um der Opfer der Kriege und der Gewalt- (Herrschaft) zu Gedenken. Ich habe bewusst Gewalt und Herrschaft getrennt. Doch dazu werde ich zu einem späteren Zeitpunkt Ausführungen machen. Zwei Weltkriege hat der Bürgerverein in der Zeit seines Bestehens Miterleben oder Erdulden müssen. Die Wunden in unserer Stadt scheinen heute, 60 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges verheilt zu sein. Zumindest die Baulichen. Sicherlich sind noch Lücken in der Bausubstanz, verursacht durch Kriegseinflüsse vorhanden. Einige aber gewollt um als Mahnung für die die nach uns kommen zu dienen. ( z. B. die Ruine der Gedächtniskirche)
Wie sieht es aber mit den Wunden und Verletzungen aus, die diese Kriege bei den Menschen hinterlassen haben? Sind auch diese verheilt? Ich denke nein! Unzählige Vermisste, Verschollenen sind das Erbe des letzten Krieges der von Deutschem Boden ausgegangen, 1945 sein Ende fand. Es geht hier nicht um Schuldzuweisungen. Es geht um die Menschen. Wie viele Waisen würden gern Wissen wie ihr Vater, oder die Mutter ausgesehen haben oder wie sie gelebt haben, auch wenn diese Waisen heute schon lange Erwachsen sind. Wie viele Mütter würden, auch wenn es schmerzlich ist, wissen wollen. wo ihr Sohn, der Ehemann, auf dem Schlachtfeld von Bomben zerrissen oder verblutet ist. Zu groß ist noch die Zahl der unbekannten, nicht geklärten Schicksale. Auch 60 Jahre nach Ende des Krieges. Denken wir dabei auch an die große Anzahl der als „Unbekannt“ beigesetzten Opfer auf dem Waldfriedhof in Halbe. Denken wir dabei auch an die Vielen, die im Namen des Deutschen Vaterlandes verschleppt, gequält, gemordet oder hingerichtet wurden. Nur weil sie anders waren als wir. Aber, gedenken wir auch den Opfern, die Vertrieben wurden und noch lange nach Kriegsende in Lagern geschunden wurden. Und, verehrte Damen und Herren, denken wir auch an die Menschen die heute, 60 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges Angst haben vor einem wieder erstarkten Deutschland. Diese Angst ist sicherlich Unbegründet, denn eine Gewissheit habe ich, nicht nur am heutigen Tage, wir, die Deutschen haben mehr als jedes andere Volk aus der Geschichte gelernt und diese meine Gewissheit sagt mir, dass von Deutschen Boden nie wieder ein Krieg ausgehen wird. Wir haben aus den Erfahrungen und dem Leid gelernt. Doch andere Völker?
Es vergeht kein Tag an dem nicht über Auseinandersetzungen mit Waffengewalt auf den verschiedenen Erdteilen berichtet wird. Wo Despoten ihr Volk hungern lassen zugunsten besserer Waffen und anderem Vernichtungsgerät. Es vergeht kein Tag, an dem nicht berichtet wird, wie viele Tote es im Namen der Religion gegeben hat, nachdem Fanatiker sich und andere in die Luft gesprengt haben. Über 2000 Amerikanische Soldaten sind inzwischen im Irak ums Leben gekommen. Die Anzahl der zivilen Opfer wird sich wohl nie feststellen lassen. Opfer eines Krieges der mit Lügen begonnen wurde und mit Toten endet.
Und verehrte Damen und Herren, gedenken wir der Opfer, welche die Trennung unseres Heimatlandes gefordert hat. Mehr als 1000 Tote an den Grenzbefestigungen. Leider sind diese Opfer, aber auch die Täter zu schnell in Vergessenheit geraten.
Aber, verehrte Damen und Herren, wir oder vielleicht nur ich für mich, gedenke auch den Opfern der Gewalt. Wenn eine Greisin vergewaltigt wird und ein Deutscher Richter, der sein Urteil im Namen des Volkes spricht, einen Jugendlichen Freispricht weil er betrunken war bei Tatbegehung, dann weiß ich nicht, ob ich einen anderen Richter oder ein anderes Volk brauche. Wenn Schwerverbrecher Freigang bekommen, damit sie das gesellschaftliche Leben kennen lernen können, wenn Kinderschänder im Kindergarten arbeiten dürfen, dann verehrte Damen und Herren, gestatten sie mit den Ausdruck, werden die Opfer verhöhnt. Hier werden die Täter bemuttert und die Opfer vergessen.
Jedes Opfer, gleich ob es durch Kriege oder Gewalt zum Opfer wurde, ist ein Opfer zu viel!
Wie schön, wie friedlich könnte doch unsere Welt sein. Doch sie ist es leider nicht.
Ich danke ihnen. |