Zeitleiste / Timeline

1890
1891
1894
1895
1900/01
1910/11
1911
1914/18
1921
1924
1927
1932
1933/40
1935
1949
1950/52
1959
1963/65
1967
1969

1890

Am 1. November 1890 wurde der Verein in dem ehemaligen „Wutzlerschen“ Lokal in der Rudower Straße (Heutige Buschkrugallee) gegründet. Zur Vereinsgründung hatte der Gemeindevorsteher W. Franz eingeladen. 22 Herren waren dieser Einladung gefolgt. Sie beschlossen einen Kommunalverein ins Leben zu rufen, da ein bereits 1885 gegründeter Verein „Selbsthülfe“, es handelte sich hier um den späteren „Haus- und Grundbesitzer Verein“, sich nur für die Interessen des sogenannten „Neu-Britz“ (Gebiet zwischen der heutigen Delbrückstraße und dem Teltow-Kanal) zuständig fühlte.

Am 15.11.1890 fand die erste Versammlung im „Engell’schen Lokal“ (später Bethke) statt, in der die Niederschrift über die Gründungsveranstaltung einstimmig genehmigt wurde. Auf dieser Versammlung haben sich außerdem 16 neue Mitglieder um eine Aufnahme beworben. Ein Jahr später hatte der Verein bereits 138 Mitglieder. Die Landgemeinde Britz hatte zu dieser Zeit 5494 Einwohner.

1891

Neben der Wahrnehmung kommunaler Interessen wurde auch die Geselligkeit im Verein gepflegt. Dies zeigte sich schon auf dem ersten Stiftungsfest, welches am 18.11.1891 in der „Rosensee-Terrasse“ am Britzer Rosensee (Gelände zwischen Jahn-, Rungiusstraße und Britzer Damm) gefeiert wurde. Wie notwendig die Aufgaben des neuen Vereins waren, zeigten die Verhältnisse in Dorf Britz gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts.

Richard Probst berichtete in einer Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Vereins darüber: „Britz war zu dieser Zeit eine der ärmsten Gemeinden am Rande der Reichshauptstadt. Die Verkehrsverhältnisse lagen im argen. Die beiden Hauptstraßen des Ortes, Britzer Damm und Buschkrugallee, waren Kreis-Chausseen mit einem Sommerweg an den Seiten. Eingerahmt von hohen Spitzpappeln, ohne jegliche Beleuchtung. Die Pferdebahn endete an der Rixdorfer Knesebeckstraße (jetzt Silbersteinstraße). Die einzige Schule des Ortes befand sich in der damaligen Kirchstraße.

Die Gemeindekasse litt an chronischer Leere. Diese Verhältnisse zu bessern war erklärte Absicht des Vereins – im Verbund mit tatkräftigen Bürgern. In der Britzer Bevölkerung wurden die Wünsche nach Verbesserungen im Orte immer lauter und zahlreicher: Pflasterung, Beleuchtung und Baumbepflanzung für die Straßen – Aufhebung der Chausseegeldhebestelle in der Chausseestraße – Verlängerung der Straßenbahn bis zur Wilhelmstraße (heute Pätzer Straße) – Aufstellung eines Bebauungsplanes – Anregungen für öffentliche Bauten (Rathaus, Feuerwehr-Depot) und eine weitere Gemeindeschule (in der Hannemannstraße) – waren die wichtigsten Forderungen.“

Im April 1891 wurde innerhalb des Vereins eine Gesanggruppe gebildet. Laut eines Berichtes im „Rixdorfer Tageblatt“ vom 26.7.1892 beteiligte sich diese an einem Geburtstags-Ständchen für Frau Wrede (Rittergutsbesitzer) im Britzer Schloß. Eine Petition des Vereins wegen der Umbenennung des Bahnhofs „Rixdorf“ in Rixdorf-Britz“ (1891) wurde abgelehnt. Die Britzer haben die Ablehnung lange Zeit nicht verschmerzen können.

1892 wurde das „Britzer Rathaus“ offiziell eingeweiht.

1894

Ein weiteres Anliegen des Vereins war, im Verbund mit dem Grundbesitzerverein, die Schaffung einer Volksbibliothek. Durch Sammlungen und Spenden konnten 600 Bände zusammengestellt werden. Im April 1894 konnte die Bibliothek im Schulhaus, in der Bürgerstraße, eröffnet werden. Für dieses vorbildliche Bemühen wurde beiden Vereinen Dank und Anerkennung zuteil. Eines der Ziele des Vereins war schon zur damaligen Zeit das Eintreten für Heimat- und Naturschutz. So konnte 1897 erfolgreich gegen die Abholzung der Königsheide protestiert werden.

1894 wird Britz an die Berliner Elektrizitätswerke angeschlossen und der Grundstein für das Kreiskrankenhaus (Krankenhaus Britz) gelegt. Nach einer nur 2-jährigen Bauzeit wird das Krankenhaus am 17.3.1896 eröffnet.

1895

Eine größere innere Krise durchlebte der Verein im Jahre 1895. Hierbei ging es um die Verlängerung der Straßenbahn von der Knesebeckstraße zur Wilhelmstraße. Die Gemeinde sollte einen einmaligen Zuschuß von 90 000 RM und einen monatlichen Rentabilitätsausgleich zahlen. Der Bürgerverein war zwar für den Bau, geriet aber mit seinen zum Teil kostspieligen Anregungen und Wünschen bei der steuerzahlenden Bevölkerung in Mißkredit. — Die Mitgliederzahl sank auf nur noch 31 Mitglieder — Dennoch fand sich eine Mehrheit weder für die Auflösung des Vereins, noch für einen Zusammenschluß mit dem Grundbesitzerverein.

1900/01

Um 1900 wandte sich der Verein unter Leitung seines 1. Vorsitzenden, R. Radatz immer mehr heimatkundlichen und kulturellen Aufgaben zu. Dabei vergaß der Verein jedoch nicht seine kommunalen Anliegen und setzte sich unter anderem für einen Kapellenbau, die Gründung einer Ortskrankenkasse, einer Apotheke, eines eigenen Kreditvereins, der Zulassung eines Notars, Regelung des „Anschlagwesens“, die Vorflutstauungen des Regenwassers, Bau einer Gasanstalt, Verbesserung der Straßen und der Weiterführung der Straßenbahn bis zur Triftstraße (heute Koppelweg) ein. Um der Vielseitigkeit der sich selbst gestellten Aufgaben besser gerecht werden zu können, wurden innerhalb des Vereins spezielle Kommissionen gebildet.

Am 27.9.1900 wird die Kleinbahnstrecke Rixdorf-Britz-Buckow bis Mittenwalde eröffnet.

1901 wird mit dem Bau des Teltowkanals begonnen. Große Landverkäufe am neuentstandenen Teltowkanal (1906) führten zu einem schnellen Anwachsen der Bevölkerung.

1910/11

1910 fand das erste „Britzer Rosenfest“ und 1911 eine Rosenausstellung im internationalen Rahmen statt. Tausende von Gästen pilgerten im Sommer nach und durch Britz. In der Bevölkerung wurde unterdessen der Wunsch nach einem eigenen Verkehrs- und Verschönerungsverein immer größer. Gemeinsam mit anderen Vereinen übernahm der Bürgerverein diese Aufgabe. Erfolgreiche Eingaben an die Obrigkeit trugen dazu bei, daß Rosen- und Grünanlagen das Straßenbild abwechslungsreicher gestalteten.

1911

Der Verein gibt schließlich am 1.6.1911 die „Britzer Wochenschau“ in einer Auflage von 11000 Exemplaren, als Beilage der „Rixdorfer Zeitung“ heraus. Diese publizistische Leistung findet ihren ersten Höhepunkt durch die Herausgabe des „Britzer Handbuch“ unter der Schriftleitung von W. Riemann. Dieses Handbuch war ein begehrtes Nachschlagewerk für die Britzer.

1914/18

Bedeutsam für das Anwachsen der Mitgliederzahl vor dem 1. Weltkrieg war unter anderem die Tatsache, daß der Verein durch seine gewählten Vertreter die Mehrheit in kommunalen, aber auch kirchlichen Körperschaften gewann. Dadurch wurde er zu einer mitgestaltenden Kraft im Orte und in der Verwaltung. Leider setzte der erste Weltkrieg vielen gemeinschaftsfördernden Aufgaben und Zielen des Vereins ein jähes Ende. Unter großen Opfern versuchten die Verantwortlichen des Vereins, diesen am Leben zu erhalten.

In dieser Zeit betätigte der sich durch besondere Tatkraft auszeichnende Vorsitzende des Vereins, W. Riemann, gleichzeitig auch Britzer Gemeindeverordneter, in der Kriegswohlfahrtspflege und der Versorgung der Bevölkerung mit den notwendigsten Lebensmitteln. Dies selbstverständlich gemeinsam mit vielen Vereinsmitgliedern.

1921

Am 1.4.1921 verliert Britz seine kommunale Selbständigkeit. Dies war eine Auswirkung der bereits im Jahre 1920 erfolgten Bildung der Großgemeinde Berlin. Britz wird in den 14. Verwaltungsbezirk — Neukölln — eingegliedert. Mit der Eingemeindung begann für den Verein eine Zeit heftiger Auseinandersetzungen gegen die nicht immer Zustimmung findenden Maßnahmen des Bezirksamtes. Wurde doch zum Beispiel die Feuerwehr umorganisiert, was zur Folge hatte, daß lediglich 4 Feuerwehrmänner mit veraltetem Löschgerät im Ort verblieben. Mit wechselndem Erfolg setzte sich der Verein gegen Veränderungen im Britzer Krankenhaus, in Schul-, aber auch Friedhofsangelegenheiten ein.

1924

1924 wurde ein Mitteilungsblatt ins Leben gerufen. Es informierte Mitglieder und Bürger über das Vereinsleben und die Aktivitäten für die Allgemeinheit. Noch heute erscheint der „Britzer Heimatbote“ mit den gleichen Zielen.

1927

1927 führte der Verein harte Auseinandersetzungen mit der Stadtverwaltung. Hierbei ging es um die Verlegung der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt. Verein und Bürger machten sich für eine Verlegung von Adlershof nach Britz stark. Die Stadtverwaltung entschied jedoch gegenteilig.

1932

Die Mitgliederzahl stieg stetig und erreichte 1932 mit 375 Mitgliedern den höchsten Stand. Bei den Mitgliedern handelte es sich ausschließlich um Männer, denn Frauen wurden erstmals 1949 in der Verein aufgenommen.

Mit Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in den 30er Jahren gründete der Verein eine eigene „Winterhilfe“ zur Unterstützung bedürftiger und in Not geratener Mitglieder. Gemeinnützige Einrichtungen, wie die „Freiwillige Sanitätskolonne“ und die „Ferienwanderung Britzer Schulkinder“, wurden mit Spenden des Vereins unterstützt. Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage bewahrte sich der Verein seinen Sinn für die Natur. So erreichte er, daß ein Schwanenpaar „Gertrud“ und „Hans“ beschafft und im Sommer 1932 im Kirchteich ausgesetzt wurde. Für Behausung und Futter sorgten Spenden.

1933/40

Auch der Bürgersinn kam nicht zu kurz. Dies dokumentierte der Verein dadurch, daß er nicht nur Forderungen erhob, sondern sich nach erfolgreichen Verhandlungen mit der Verwaltung, mit freiwilligen Helfern am Ausbau eines Radweges nach Buckow beteiligte. Auch am Britzer Bürgerverein ist der dunkle Teil unserer Geschichte nicht spurlos vorbeigegangen.

Mit der „Machtergreifung“ 1933 kamen schwere Zeiten für den Verein. Eine große Mehrheit des Vereins wehrte sich erfolgreich gegen die politische Gleichschaltung. Der damalige Vorsitzende, Herr Edmund Schröder, durfte im Amt bleiben. Ihm wurde jedoch zur Vorbereitung der Gleichschaltung ein Kommissar zur Seite gestellt. Dieser hatte die Aufgabe, die Tätigkeiten des Vereins zu überwachen. Der kommunalpolitische Einfluß des Vereins war in dieser Zeit bedeutungslos. Trotz der schweren Zeit feierte der Verein am 3.11.1940 im Restaurant „Filmeck“ sein 50-jähriges Bestehen.

1935

Mitgliederbestand 1935

Selbständige Handwerker und Gewerbetreibende -118-
Selbständige Kaufleute -59-
Beamte und Verwaltungsangestellte -29-
Angestellte, Handwerker und Arbeiter -29-
Landwirte und Gärtner
Rechtsanwälte Ärzte und Apotheker -22-
Dentisten und Buchprüfer* -21-
Techniker und Ingenieure -20-
Pensionäre und Rentner -9-
Architekten und Baumeister -6-

insgesamt: -313-
*darunter ein Pfarrer

1949

Neugründung 1949

Nach dem Zusammenbruch kommt es am 13. November 1949 im Beisein des damaligen Bezirksbürgermeisters, Kurt Exner, zur Neugründung des Vereins. Auf Grund Alliierter Vorbehalte nennt sich der Verein nun: „Heimatkundliche Vereinigung Berlin Britz
e.V.“ (HVB).

1950/52

Nach 1950 befaßte der Verein sich schwerpunktmäßig mit der Heimatgeschichte und kommunalen Angelegenheiten, wie Ortskerngestaltung, Wiederaufbau und Restaurierung — hier nicht ganz uneigennützig, besonders für den Gutshof. — Am 20. Mai 1950 wird durch Bürgermeister Exner, in Anwesenheit des Oberbürgermeisters von Berlin, Ernst Reuter, die Buschkrugbrücke eingeweiht. Die HVB bringt ihr erstes Mitteilungsblatt heraus.

1951 wird die erste Fotoausstellung, mit Bildern aus Britz, von E. Moebus durchgeführt. Sie wird im „Filmeck“ von ca. 2000 Besuchern besichtigt. Eine enge Verbindung des Vereins besteht mit der „Britzer Baumblüte“ und dem „Britzer Blütenfest“, welches erstmals 1952 begangen wurde. Vorläufer waren die bis 1939 durchgeführten Rosenfeste.

1959

1959: 10 Jahre Vereinsarbeit in der Nachkriegsgeschichte. Aus Anlaß dieses Jubiläums wird der „Britzer Bittsteller“ herausgegeben. Er enthält eine Auflistung der Wünsche die von der „Heimatkundlichen Vereinigung und vielen Britzer Bürgern gegenüber der Verwaltung geltend gemacht werden, zum Beispiel Stadtplanung, Natur- und Heimatschutz, Straßenbau, Beseitigung von Schandflecken im Ortsbild „Wir, denen die Verschönerung von Britz am Herzen liegt, bitten daher, man solle die Bretterzäune (damals weit verbreitet) durch gefällige Einfriedungen ersetzen.

1963/65

1963: Drei Mitglieder werden wieder bzw. neu in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt: Dr. Alfred Roje, Eberhard Hesse und Lothar Schulz. Der Verein richtet zum ersten Mal den „Britzer Kummerkasten“ ein.

1965: Das „Filmeck“ muß Wohnbauten weichen und wird abgerissen. Sozialstadtrat Ludwig weiht das neue Altenheim am Buschkrug ein. Der älteste Britzer Verein, der Haus- und Grundbesitzer-Verein, besteht 80 Jahre. Das „Rosarium“, 8400 qm groß, wird der Öffentlichkeit übergeben.

1967

Erst 1967 nimmt der Bürgerverein wieder seinen ursprünglichen Namen an. Ziel des neugegründeten Vereins ist es, die Liebe zur Heimat zu pflegen, den Gemeinschaftsgedanken zu fördern und die Interessen des Ortes und seiner Bewohner zu wahren. Dazu gehört auch, wie in früheren Zeiten, dem Bezirksamt Anregungen und Ideen zur Gestaltung von Britz aufzuliefern.

1967: Durch Mehrheitsentscheid wird der alte Vereinsname: „Bürgerverein Berlin-Britz e.V.“ wieder angenommen. Die „Hilfe am Grabe“ wird aufgelöst. Bei Ausschachtungsarbeiten zum neuen Gemeindehaus wird an der Dorfkirche ein mittelalterlicher Steinbrunnen freigelegt. Der Bezirk Neukölln wird mit der Europafahne ausgezeichnet.

1969

Lasson gratulierte dem Bürgerverein

„Erster Gratulant unter vielen Ehrengästen war in der Festsitzung des vor 20 Jahren gegründeten Bürgervereins Neuköllns Bürgermeister Gerhard Lasson (SPD). ,Die Initiative des Bürgers kann man nicht hoch genug schätzen, wie überhaupt die Begriffe Bürgerschaft und Heimat in engem Zusammenhang stehen‘, sagte der Verwaltungschef und überreichte dem Vorsitzenden Lothar Schulz einen Teller aus der Staatlichen Porzellan-Manufaktur mit dem Neuköllner Wappen. Schulz dankte dem Bezirksamt und den Parteien für die gute Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene.

Dennoch, so fügte er hinzu, bleiben noch manche Wünsche offen. Insbesondere bemängelte der Vorsitzende, daß noch Wartehäuschen und Bedürfnisanstalten fehlen. Und wenn auch die Straßen eines Viertels in der Gropiusstadt nach bekannten Berliner Schauspielern benannt worden seien, so fehlt immer noch der Name ,Werner Krauß‘.

Begrüßt habe es der Bürgerverein, daß in der Onkel-Bräsig-Straße — der bekannten „Baumblüten Allee“ — junge japanische Zierkirschen gepflanzt wurden und auch neue Straßen diese weiß und rosa blühenden Bäume erhalten haben. ,Wir wollen auch die Interessen der Bürger von Buckow und Rudow wahrnehmen, solange dort noch keine ähnliche Vereinigung wie die unserige existiert‘, erklärte Lothar Schulz den Anwesenden.“

(Berliner Morgenpost 21.11.1969)